Gestern ist eine ganz besondere Dame bei mir eingezogen, ein Mädel, dass ich schon seit Wochen und Monaten herbei sehne: Die hübsche Katzendame "Lissy".
Meine Suche nach der richtigen Katze war wirklich kein Katzensprung. Anfangs war ich noch der direkten Überzeugung, unbedingt eine Katze aus dem örtlichen Tierheim adoptieren zu wollen, in dem ich auch ehrenamtlich aushelfe. Da ich eine relativ junge Katze wollte, wurde der Wirkungskreis natürlich weiter eingegrenzt. Im Tierheim fragte ich, wo die Jungtiere seien, und man beleitete mich zu einem Container am hinteren Ende des Katzenhauses. "Im Katzenhaus ist es zu laut und wir haben dort keinen Platz mehr, wir haben eine Sperre für Katzen, wir nehmen keine mehr an.", klang eher wie eine Rechtfertigung. Die gute Frau - die wirklich nett war - machte den Container auf und was war darin? Katzen. Übergroße Gehege oder eher Käfige mit Katzenbabies. Ohne Frischluftzirkulation und ohne dauerhaftes Tageslicht war mir klar, dass mein Mitleid zwar groß war, aber ich die Sache nicht unterstützen würde. Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch brach ich somit die Suche dort ab. Ein schneidendes Thema, über das jeder eine andere Meinung hat.
Meine nächste Suche begann auf Ebay-Kleinanzeigen. Nachdem ich von Maine-Coons überhäuft wurde, stachen mir die hübschen britischen Kurzhaarkatzen ins Auge. Als Karthäuser war Neo ja ein entfernter verwandter diese Rasse. Eigentlich wollte ich nicht direkt eine Rassekatze - es hätte auch ein Streuner sein können, hauptsache gesund, sozial aufgewachsen und brav. So stieß ich jedoch irgendwann auf die Kontaktanzeige einer Züchterin aus Krefeld.
Bei meiner Arbeit als Tierfotografin stoße ich nicht selten auf Züchter. Ich unterstütze keine Legebatterien und keine Züchter, die nicht ehrenvoll züchten. So weiß ich nach vielen Gesprächen mit befreundeten Züchtern (oder Züchtern, die durch ihre tollen Ansichten zu Freunden geworden sind), worauf es bei einem guten Züchter ankommt, und bei wem man ohne schlechtes Gewissen eine Katze abnehmen kann. Vorige Besuche bei anderen Züchtern haben sich schnell erledigt - es waren genau solche Legebatterien. "Nein, keine Papiere" - "Wieso nicht? Sie sind doch im Verein?" - "Weil es dann billiger für Sie ist". BULLSHIT. Papiere kosten nur 50 Euro. Der wahre Grund ist, da ein Züchter der im Verein ist offiziell nur 1x im Jahr je Katzenmama Junge züchten darf - eine tolle Regelung, damit das Muttertier nicht ausgenutzt wird. Alle weiteren Würfe im Jahr bekommen keine Papiere. Verantwortungsvolle Züchter mit den besten Absichten würden daher niemals ohne Papiere züchten. Es bringt ihnen ja nichts, da richtige Züchter ihre Zuchtlinie weiterführen wollen, auf Shows vorstellen wollen, und das geht ohne Papier nunmal nicht. Andere hielten in einem Zimmer 2 Mütter mit Kitten, im anderen Zimmer den Deckkater. Noch grausamer geht es wohl nicht. Mein letzter Besuch, die besagte Züchterin in Krefeld, gefiel mir auf Anhieb. Sie hatten ein großes Wohnzimmer in dem bereits ein Wurf herumtollte, alles sauber, geordnet, tolles Spielzeug und man sah, mit wie viel Liebe sie die Katzen aufzogen. Zudem sahen die Katzen einfach wundervoll aus. Die dortigen Kätzchen waren bereits alle vergeben - aber sie erwarteten Ende Januar einen weiteren Wurf der anderen Katzendame (Sie haben 2 Katzen). Ich durfte mir das tragende Muttertier ansehen, haben uns nett unterhalten und schließlich stand für mich fest: Falls ein Mädchen geboren wird, soll es meins sein. So wartete ich sehnsüchtig Ende Januar auf Nachricht aus Krefeld. Schließlich war es so weit - und zwei Mädchen waren wirklich dabei. Ich bekam Fotos und Infos zugeschickt, wie die Kleinen sich entwickeln, und als ich Ende Februar für den ersten Besichtigungstermin vorbeikommen durfte, war die Freude kaum größer. Sie brachte zwei Kätzchen im Korb zu mir, die beiden Mädchen. Das eine etwas heller (alle in den Whiskas-Farben, auch "tabby" genannt), die andere deutlich dunkler in den Streifen. Die dunklere musterte mich vom ersten Augenblick an. Sie nahm den Blick nicht von mir, bis ich nach dem desinfizieren der Hände ein paar kleine Annäherungsversuche starten durfte. Da war es eigentlich schon geschehen: Liebe auf den ersten Blick. Sie hatte mich gewählt. "Sie ist es." Ich bekam fast jede Woche neue Bilder der Kleinen und Infos, wie sie sich entwickelt. Habe Emails bekommen, nachdem sie entwurmt und geimpft wurde, wie sie das ganze vertragen hat, welche Persönlichkeit sie entwickelt. Nachdem Lissy nun 13 Wochen alt ist, war es endlich soweit. Natürlich standen wir auf dem Hinweg für eine Strecke von 40 Minuten erstmal 2,5 Stunden im Stau. So musste es ja sein. Angekommen, entdeckte ich Lissy sofort in dem 7-köpfigen Wurf, von dem nur noch 4 dort waren und auf Abholung warteten. Nachdem wir sie geweckt hatten (Die kleine schlief gerade wie ein Engel), guckte sie mich an und legte sich sofort auf meinen Schoß. "Ein gutes Zeichen für euch, besser geht es nicht.", lächelte die Züchterin. Alles andere war schnell gemacht, der Trennungsschmerz für die Züchterin war denke ich mal groß genug. Sie verabschiedete uns mit Tränen in den Augen und einem "Du wirst es gut haben Lissy, da bin ich mir sicher!" Auf dem Rückweg schrieh die kleine Maus, ganz herzzereißend. In der Wohnung tapste sie fröhlich herum, erkundete alles.
Mittlerweile weiß sie, wo die Toilette ist, wo ihre Leckereien stehen und hat auch bereits ein Lieblingsspielzeug. Die Nacht schlief sie an meinem Hals, auf meinem Bauch oder unter der Bettdecke. Sie ist absolut auf mich fixiert - hoffentlich wird das nicht noch zum Problem. Ich werde versuchen, aus Samstag nun immer einen "Caturday" zu machen. Sie macht in den nächsten Wochen bestimmt einiges lustiges Zeug. :)
Gerade schläft die Kleine auf meinem Schoß. ♥
Lissy mit 7 Wochen
Lissy bei der Ankunft gestern.